


Money, Money, Money – die Musikbranche zwischen
Passion und Profit
Wie im Fussball, wo die FIFA gerade mit exorbitanten Ticketpreisen für die WM im kommenden Jahr die Seele des Spiels verkauft, ragt der Kommerz auch in der Musikindustrie über allem. Mit ihrer „The Eras Tour“, einem globalen Feldzug der Superlative, spielte Taylor Swift Milliardenumsätze ein. Mit „Adele World“ auf dem Messgelände in München Riem bot die britische Künstlerin einen eigenen Themenpark inklusive Foodtrucks, Bars, Biergarten, Riesenrad und sogar einem nachgebauten Londoner Pub, das die Fans in eine eigene Welt eintauchen liess. Haben die Normalos unter den Künstlern da überhaupt noch eine Chance, für ihre Musik Gehör zu finden? Droht der Branche abseits dieser Megalomanie der Erstickungstod?
„It’s only Rock’n’Roll but I like it“
Ein Besuch von sogenannten Indie Festivals gibt jedoch Hoffnung, Experimentierfreudige Musikerinnen und Musiker aus aller Welt bieten Werke abseits des Mainstreams mit neuer, oft genreübergreifender Musik. Kunst-Stücke, entstanden aus Leidenschaft, Liebe zur Musik und dem Mut, Musik neu zu erfinden und weiterzuentwickeln. Das weckt Erinnerungen an die 50er und 60er Jahre, als die Rolling Stones, The Who oder Folk-Sänger wie Bob Dylan oder Joan Baez in kleinen, heruntergekommenen Clubs auftraten und gegen das korrupte Establishment angesungen haben. Oder „Fortunate Son“, mit dem die Band Creedence Clearwater Revival, die reiche, nur auf ihren Vorteil bedachte konservative Elite der Vereinigten Staaten, an den Pranger stellte. Oder Elvis Presley, der in dem kleinen Sun Studio in Memphis den Rock’n’Roll erfand. Auch heute braucht Musik Mut statt Firlefanz. Mut, einen wirtschaftlichen Flop einzufangen oder in den Medien zerrissen zu werden. Mit ihrem Song „It’s only Rock’n’Roll but I like it“ brachten die Stones es auf den Punkt gebracht – ein guter Song braucht keine gigantischen Lichtshows oder Heerscharen an Tänzern – und ein schlechter Song wird durch Brimborium nicht besser.
Zu Recht sah Theodor W. Adorno schon in den frühen Fünfzigerjahren in der Massenmusik eine Form der Zementierung der gesellschaftlichen Verhältnisse. Demnach bietet Musik eine „Scheinfreiheit“, die aber die bestehenden Machtstrukturen und das kapitalistische System stabilisiert. Er kritisierte den „Fetischcharakter der Musik“ – eine Einschätzung, die heute in Zeiten von Influencern und Möchtegern-Millionären aktueller denn je ist. Es dominiert die Welt der Swifties und Beliebers – wie die Hard Core- Fans von Taylor Swift und Justin Bieber – genannt werden. Jeder Tag wird der Pool an, auf Spotify & Co. erhältlichen Songs durch ca. 100 000 neue Werke geflutet. Da wird es selbst für Grössen wie Ed Sheeran eine echte Herausforderung, einen Welthit auf Augenhöhe mit John Lennons „Imagine“, der nichts an Kraft verloren hat, zu schreiben. War früher alles besser? Nein. Auch heute haben Musikerinnen und Musiker die Freiheit, mit der Kraft der Musik gegen das Establishment, Kriege, Umweltzerstörung oder soziale Unsicherheit anzusingen.
Bernhard Bauhofer ist Singer-Songwriter aus Wollerau SZ.mSeine Songs, wie sein aktuell grösster Hit „The River Seine“ wird international auf Indie-Radios gespielt. Indie-Radios stehen für unabhängige, alternative Musiksendungen, die sich auf "Independent Music" (Indie) konzentrieren, also Musik, die nicht von den grossen Major-Labels produziert wird. Hier stehen kreative Freiheit, Vielfalt und Nischen-Sounds, abseits des Mainstream-Radio-Formats, im Vordergrund.





